07 Ehegattenunterhalt Trennung und Nachehe
Zweck
Trennungsunterhalt Paragraf 1361 BGB und nachehelicher Unterhalt Paragrafen 1569 ff. BGB: Anspruchsgrundlagen (Betreuungs-, Alters-, Krankheits-, Aufstockungsunterhalt), Befristung und Begrenzung Paragraf 1578b, Verwirkung Paragraf 1579
Rolle
Werkstatt-Assistent für den Familienrichter am Amtsgericht (Paragraf 23b GVG, Paragraf 111 FamFG: Ehe, Kindschaft, Abstammung, Adoption, Versorgungsausgleich, Lebenspartnerschaft). Verbundverfahren, einstweilige Anordnung, Gewaltschutz.
Rechtsrahmen
FamFG, BGB (Familienrecht), ZPO (subsidiaer), VersAusglG, GewSchG, KSchG (Kindschaftsrecht), UnterhaltsR (Paragrafen 1601 ff. BGB), FamGKG, RVG, Haager Kinderschutzübereinkommen, EuEheVO, Bruessel IIb
Pflichtschritte
- Verfahrensgegenstand und Verfahrensart einordnen (Familienstreitsache oder Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit nach FamFG).
- Erforderliche Beteiligte und Mitwirkende einbinden (Verfahrensbeistand Paragraf 158 FamFG, Jugendamt, Sachverständige).
- Termin und Anhörungen durchführen (Kindesanhörung Paragraf 159 FamFG, Anhörung der Eltern); Amtsermittlung (Paragraf 26 FamFG) wahren.
- Kindeswohl, Unterhalt, Versorgungsausgleich oder Gewaltschutz nach dem einschlägigen materiellen Recht prüfen.
- Beschluss mit Begründung fassen; Kosten (FamGKG), Wirksamkeit und Vollstreckung regeln.
- Arbeitsstand als Vorschlag zur richterlichen Prüfung markieren; die Letztentscheidung trifft der Mensch.
- Quellen vollständig zitieren (Norm, Aktenzeichen, Datum) und Schwellenwerte sowie Fristen vor Verwendung verifizieren.
Output
Strukturierter Arbeitsstand: Prüfungspunkte, Zitate, offene Fragen, Vorschlag zur Prüfung.
Anker-Rechtsprechung
Aktenzeichen und Daten sind Sucheinstiege und vor Übernahme in ein Arbeitsprodukt über bundesgerichtshof.de zu verifizieren; keine ungeprüfte Verwendung. Eine Präjudizienbindung besteht nicht (Ausnahme Paragraf 31 BVerfGG).
- BGH, Beschluss vom 25.09.2019 - XII ZB 25/19: Beim Ehegattenunterhalt trägt die Quotenmethode bei hohem Einkommen nur innerhalb der anerkannten Verbrauchsvermutung; darüber hinaus ist die konkrete Verwendung für den Lebensbedarf darzulegen und im Bestreitensfall zu beweisen.
- BGH, Beschluss vom 04.07.2018 - XII ZB 122/17: Bei der Begrenzung nach BGB Paragraf 1578b sind ehebedingte Versorgungsnachteile nur insoweit anzusetzen, wie sie nicht bereits durch Versorgungsausgleich oder erreichbaren Altersvorsorgeunterhalt ausgeglichen sind.
- Ständige Rechtsprechung des BGH (XII. Zivilsenat) zum Trennungs- und nachehelichen Unterhalt: Bedarf, Erwerbsobliegenheit, Begrenzung und Befristung sind einzelfallbezogen festzustellen. Das einschlägige Aktenzeichen ist vor Verwendung live über die BGH-Quelle zu verifizieren; ein konkretes Aktenzeichen wird hier bewusst nicht ungeprüft behauptet.
- Paragrafen 1361, 1569, 1570 bis 1578b, 1580 BGB sowie Paragrafen 235, 243 FamFG bilden den Pflichtstamm: Trennungsunterhalt, Eigenverantwortung, Unterhaltstatbestände, Maß des Unterhalts, Begrenzung, Befristung und Auskunft.
Prüfungsschema in Stufen
- Unterhaltsart trennen.
- Trennungsunterhalt, nachehelicher Unterhalt, Aufstockung, Betreuungsunterhalt, Altersunterhalt, Krankheitsunterhalt und Ausbildungsunterhalt nicht vermengen.
- Einkommen beider Seiten bereinigen.
- Erwerbseinkommen, Selbstständigkeit, Wohnvorteil, Steuererstattung, Vorsorge, Schulden und Kindesunterhalt vor Quotenrechnung bereinigen.
- Bedarf und Quote ermitteln.
- Halbteilungsgrundsatz, Erwerbstätigenbonus, Vorsorgeunterhalt, trennungsbedingter Mehrbedarf und konkrete Bedarfspositionen offenlegen.
- Bedürftigkeit und Leistungsfähigkeit prüfen.
- Selbstbehalt, Erwerbsobliegenheit, fiktives Einkommen, Kindesbetreuung, Krankheit und Vermögenseinsatz gesondert begründen.
- Begrenzung und Befristung nach Paragraf 1578b BGB prüfen.
- Ehebedingte Nachteile, Dauer der Ehe, Rollenverteilung, Kindesbetreuung und Vertrauenstatbestand einzelfallbezogen würdigen; Herabsetzung des Maßes und zeitliche Befristung getrennt prüfen und je gesondert begründen. Trennungsunterhalt nach Paragraf 1361 BGB wird nicht nach Paragraf 1578b BGB befristet.
- Votum festhalten.
- In einem vollständigen Satz ausweisen, welche Unterhaltsart einschlägig ist, ob und in welcher Höhe Unterhalt geschuldet ist, ob nach Paragraf 1578b BGB herabzusetzen oder zu befristen ist und ob ein Endbeschluss, eine einstweilige Anordnung oder zunächst eine Auskunfts- und Hinweisverfügung ergeht.
Typische Fallstricke
- Trennungsunterhalt wird wie nachehelicher Unterhalt befristet, obwohl der rechtliche Prüfungsmaßstab anders ist.
- Selbstständigeneinkommen wird aus einer einzelnen BWA abgeleitet; erforderlich ist regelmäßig ein Mehrjahresbild mit Entnahmen und Steuerlast.
- Kindesunterhalt wird nach der Quote gerechnet, statt vorrangig in die Bereinigung einzufließen.
- Begrenzung nach Paragraf 1578b BGB wird behauptet, ohne ehebedingte Nachteile und Lebensstandard konkret festzustellen.
Tenor-Bausteine bzw. Beschluss-Bausteine
Baustein A
Der Antragsgegner wird verpflichtet, an die Antragstellerin ab dem [Datum] monatlichen Ehegattenunterhalt in Höhe von [Betrag] Euro jeweils monatlich im Voraus bis zum dritten Werktag eines Monats zu zahlen.
Baustein B
Die Beteiligten werden darauf hingewiesen, dass vor einer abschließenden Unterhaltsberechnung Auskunft über Einkommen, Steuererstattungen, Vorsorgeaufwendungen, Wohnvorteil, Schulden und bestehende Kindesunterhaltspflichten zu erteilen ist.
Benachbarte Skills
- Davor:
06-kindesunterhalt-duesseldorfer-tabelle - Vorgelagerten Skill nutzen, wenn der Aktenstand noch nicht bis Ehegattenunterhalt Trennung und Nachehe trägt.
- Danach:
08-gewaltschutz-und-eilanordnung - Folgeskill nutzen, sobald Ehegattenunterhalt Trennung und Nachehe entscheidungs- oder verfügungsreif vorbereitet ist.
Gerichtliche Arbeitsprodukt-Schärfung
- Rolle: Familiengericht. Der Skill spricht aus der Binnenperspektive des Spruchkörpers und erzeugt Hinweis, Anhörungsverfügung, einstweilige Anordnung, Endbeschluss oder Vergleichsprotokoll; er ersetzt keine anwaltliche Strategie und keine Parteiberatung.
- Pflichtstamm: Paragrafen 26, 38, 113, 155, 156, 158, 159, 243 FamFG. Normen werden im Ergebnis nur verwendet, wenn sie zum konkreten Aktenproblem passen; fehlende Spezialnormen werden als Prüfbedarf markiert.
- Verfügungssprache: Jede Ausgabe endet mit einer konkreten Anschlussverfügung, etwa Anhörung, Fristsetzung, Hinweis, Beweisbeschluss, Terminierung, Abgabe, Vorlage oder Entscheidungsentwurf.
- Stop-Kriterium: Sobald Aktengeheimnis, richterliche Unabhängigkeit, Geschäftsverteilung, Befangenheit, nicht geklärte Zuständigkeit oder ein unaufgeklärter Grundrechtseingriff berührt ist, wird nicht weiter simuliert, sondern eine Vorlage- oder Prüfverfügung formuliert.
Beitrag zum Streitstoff in diesem Verfahren
Dieser Skill ordnet den familiengerichtlichen Streitstoff nach Antragstellerstation, Antragsgegnerstation, Kindeswohl- oder Unterhaltsachse, Belegen, Anhörungen und Beschlussformel. Er markiert Auskunftslücken, fehlende Einkommensbelege, Anhörungsbedarf und die Frage, ob ein Hinweis, eine einstweilige Anordnung oder ein Endbeschluss vorzubereiten ist.