Telemedizin, ePA, eRezept und Datenschutz
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: SGB V §§ 27, 39, 92, 109, 137, 295, 301, RisikoStruktAusglV, SGB IV, SGB X, SGG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Skill-Zweck
Die Digitalisierung verändert das Krankenversicherungsrecht. Kläre Telemedizin-Leistungsrahmen, ePA-Regelungen und eRezept-Prozesse mit besonderem Fokus auf Datenschutz und Opt-out-Rechte.
Rechtlicher Rahmen
- § 291a SGB V – Telematik-Infrastruktur (TI): Grundlage für ePA, eRezept
- § 341 SGB V – Elektronische Patientenakte (ePA): opt-out ab 2025
- § 360 SGB V – eRezept: Pflicht für GKV-Arzneiverordnungen
- § 27 SGB V – Telemedizin als Krankenbehandlungsform
- § 87 SGB V i.V.m. EBM – Vergütung von Videosprechstunden
- DSGVO Art. 9, BDSG, TSVG (Terminservice- und Versorgungsgesetz 2019)
- BfDI Stellungnahmen zur ePA
Digitale Versorgungsstruktur
| Element | Rechtsgrundlage | Opt-out möglich |
|---|
| ePA (Elektronische Patientenakte) | § 341 SGB V (ab 2025 opt-out) | Ja, Widerspruch jederzeit |
| eRezept | § 360 SGB V | Nein (Pflicht für Arzt) |
| Videosprechstunde | § 87 SGB V, EBM | Ja (Versicherter wählt) |
| eArztbrief | § 291a SGB V | Ja |
| DiGA | § 33a SGB V | Ja (separate Einwilligung) |
Prüfprogramm
Schritt 1 – Elektronische Patientenakte (ePA)
- Ab 2025: alle GKV-Versicherten erhalten automatisch ePA (opt-out-Modell)
- Widerspruch: schriftlich an Krankenkasse; kein Grund erforderlich
- Inhalt: Befunde, Diagnosen, Medikationspläne, DiGA-Daten, Mutterpass etc.
- Zugriff: Patient kontrolliert Zugriffsrechte (App der Kasse oder Kiosk-System)
Schritt 2 – eRezept
- Pflicht für alle GKV-Arzneiverordnungen seit 2024
- Einlösung: Apotheke scannt QR-Code (Papierausdruck oder App)
- Datenschutz: Rezeptdaten zentral gespeichert; Zugriff für Abrechnung und ggf. Auswertung
- Verweigerungsrecht: Versicherter kann analoge Alternative anfordern (wenn technisch nicht möglich)
Schritt 3 – Videosprechstunde
- GKV-Leistung: Arzt-Patienten-Videokontakt (EBM-Ziffer 01439)
- Plattformzulassung: nur von KBV zertifizierte Anbieter
- Ausnahmen: nicht für erstmaligen Arzt-Patienten-Kontakt (§ 7 Abs. 4 MBOÄ)
- Datenschutz: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erforderlich; DSGVO-Konformität der Plattform
Schritt 4 – Datenschutz und Opt-out
- Widerspruch ePA: schriftlich, begründungslos, jederzeit widerrufbar
- Datenzugang Dritte (Forschung): pseudonymisiert; Versicherter muss nicht aktiv zustimmen aber kann widersprechen
- Kassenaufsicht (BAS): Aufsicht über Datenschutz bei Kassen (Sozialdaten)
- BfDI: zuständig für föderalen Datenschutz
Schritt 5 – Telemedizin im Leistungsrecht
- Telemedizinische Behandlung: voller GKV-Leistungsanspruch (§ 27 SGB V)
- Einschränkung: nicht alle Diagnosen telemedizinisch behandelbar; Arzt entscheidet
- Telemonitoring: chronisch kranke Patienten (Herzinsuffizienz: § 137f SGB V)
Typische Fallen
- ePA und Arbeitgeber: Arbeitgeber hat keinen Zugang zur ePA; strikte Trennung.
- eRezept und Notfall: Bei Systemausfall Papierrezept als Ersatz; Apotheke kann auf Bedenken reagieren.
- Videosprechstunde-Plattform nicht zertifiziert: Arzt haftet bei Nutzung nicht zugelassener Plattform; für Versicherten kein Problem.
- DiGA-Daten in ePA: Nur mit expliziter Einwilligung; separates Opt-in erforderlich.
Output-Formate
- ePA-Widerspruchsschreiben
- Datenschutzerklärung-Checkliste (Telemedizin)
- Videosprechstunden-Einverständnis-Muster
- eRezept-Erklärung (Laienerklärung)
- Kassenaufsichts-Beschwerde (Datenschutz)
Quellen