Wenn es um Adhaesionsverfahren in Fachanwalt Strafrecht geht: prüft Frist, Form, Zuständigkeit, Rechtsweg und Sofortmaßnahmen; liefert eine Fristen- und Risikoampel mit Sofortschritten.
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- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
Fokus: Adhaesionsverfahren § 403 StPO im Strafverfahren vorbereiten: Anwendungsfall Opfer will im Strafverfahren gleichzeitig Schmerzensgeld oder Schadensersatz geltend machen ohne separaten Zivilprozess. §§ 403-406c StPO Adhaesionsverfahren, § 823 BGB Schadensersatz, § 253 BGB Schmerzensgeld. Prüfraster Zulässigkeit im Strafverfahren, Antragsschrift-Anforderungen, Beweisangebot, taktische Abwaegung Adhaesion vs. separater Zivilprozess. Output Adhaesionsantrag mit Schadensaufstellung und taktischer Einordnung. Abgrenzung zu Taeter-Opfer-Ausgleich § 46a StGB und zu Verständigung § 257c StPO.
Das Adhäsionsverfahren verbindet Strafprozess und Zivilrecht. Es spart der verletzten Person eine eigenständige Zivilklage. Gleichzeitig ist es für die Verteidigung ein Instrument zur Schadensminimierung: Ein Adhäsionsvergleich kann das Strafmaß erheblich beeinflussen (§ 46a StGB).
8 Kaltstart-Rückfragen:
| Norm | Inhalt |
|---|---|
| § 403 StPO | Adhäsionsrecht: Verletzte kann vermögensrechtliche Ansprüche aus der Tat im Strafverfahren geltend machen |
| § 404 StPO | Form und Inhalt des Adhäsionsantrags; schriftlich oder zu Protokoll; bis Schluss der Beweisaufnahme |
| § 405 StPO | Adhäsionsvergleich als Vollstreckungstitel; Protokollierung in der Hauptverhandlung |
| § 406 StPO | Entscheidung durch Strafgericht; Grundurteil; Absehen von Entscheidung bei Verfahrensverzögerung |
| § 406a StPO | Rechtsmittel gegen Adhäsionsentscheidung; eingeschränkte Berufungsmöglichkeit |
| § 406b StPO | Vorläufige Vollstreckbarkeit des Adhäsionsurteils |
| § 406c StPO | Vollstreckbarerklärung des Vergleichs |
| § 472a StPO | Kosten des Adhäsionsverfahrens für Verletzte: grundsätzlich kostenfrei |
| § 46a StGB | Täter-Opfer-Ausgleich und Schadenswiedergutmachung als Strafmilderungsgrund |
| § 46 Abs. 2 StGB | Strafzumessung: Schadenswiedergutmachung berücksichtigungsfähig |
| § 253 Abs. 2 BGB | Schmerzensgeld bei Körper-, Gesundheits-, Freiheitsverletzung oder sexueller Selbstbestimmung |
| §§ 249–252 BGB | Art und Umfang des Schadensersatzes; Naturalrestitution, Wertersatz |
| §§ 823–826 BGB | Deliktsrecht: Grundlagen der Schadensersatzpflicht |
| § 830 BGB | Mittäter und Beteiligte haften als Gesamtschuldner |
| § 116 SGB X | Forderungsübergang bei Sozialleistungsträgern (Krankenkasse, Rentenversicherung) |
| Aktenzeichen | Gericht / Datum | Tragende Aussage | Offene Fundstelle |
|---|---|---|---|
| 3 StR 340/24 | BGH (3. Strafsenat), Beschluss 09.01.2025 | Adhäsionsentscheidung im Strafverfahren — Begründungsanforderungen an Schmerzensgeldzumessung; Strafgericht muss die maßgeblichen Zumessungsgesichtspunkte (Verletzungsbild, Dauer, Folgen) erkennbar machen | https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=09.01.2025&Aktenzeichen=3+StR+340/24 |
| 4 StR 232/25 | BGH (4. Strafsenat), Urteil 20.11.2025 | Zusammenspiel TOA / Schadenswiedergutmachung (§ 46a StGB) und Adhäsionsforderung — Strafmilderung setzt kommunikativen Aussöhnungsprozess voraus, nicht nur Zahlung | https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=20.11.2025&Aktenzeichen=4+StR+232/25 |
Weitere Entscheidungen vor Verwendung live in dejure.org/openjur.de mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
| Schritt | Inhalt | Grundlage |
|---|---|---|
| 1 | Anspruchsgrundlage prüfen: § 823 BGB (Körperverletzung, Sachschaden), § 826 BGB (sittenwidrige Schädigung bei Betrug), § 249/253 BGB (Schaden und Schmerzensgeld) | §§ 249, 253, 823 BGB |
| 2 | Verletzteneigenschaft prüfen: Nur unmittelbar Verletzte (§ 403 StPO); mittelbar Betroffene ausgeschlossen | § 403 StPO |
| 3 | Forderungsübergang prüfen: § 116 SGB X bei Krankenkassenleistungen; Eigenanteil ermitteln | § 116 SGB X |
| 4 | Schadenshöhe ermitteln: Schmerzensgeld nach Tabellen (Hacks/Slizyk); materieller Schaden beziffern; Feststellungsantrag für Zukunftsschäden | § 253 Abs. 2 BGB |
| 5 | Vollstreckungsperspektive prüfen: Zahlungsfähigkeit des/der Angeklagten; Insolvenzsituation; pfändbares Vermögen | §§ 704, 794 ZPO |
| 6 | Adhäsionsantrag formulieren: bestimmter Antrag (Zahlung, Feststellung, Herausgabe); Sachverhalt; Beweismittel | § 404 StPO |
| 7 | Fristwahrung: Antrag bis Beginn der Schlussvorträge (spätestens); frühzeitig einreichen | § 404 Abs. 1 StPO |
| 8 | Vergleichsstrategie aus Verteidigung: § 46a StGB als Strafmilderungsargument; Ratenvereinbarung vorbereiten | § 46a StGB |
| 9 | Vergleich nach § 405 StPO: In Hauptverhandlung protokollieren lassen; wird Vollstreckungstitel | § 405 StPO |
| 10 | Grundurteil und Folgeentscheidung: Bei Bezifferungsproblemen Grundurteil nach § 406 Abs. 1 S. 2 StPO; Quantifizierung im Zivilverfahren | § 406 Abs. 1 S. 2 StPO |
| 11 | Absehen-Antrag der Verteidigung: § 406 Abs. 1 S. 3–6 StPO – wenn Adhäsion Verfahren wesentlich verzögert | § 406 StPO |
| 12 | Vollstreckung: Titel nach § 794 ZPO; Gerichtsvollzieher, Forderungspfändung; bei Insolvenz: Tabellenanmeldung | § 794 ZPO |
Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu prüfen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.
| Konstellation | Empfohlener Weg |
|---|---|
| Standard — Adhaesionsverfahren fuehren | Adhaesionsantrag; Template unten |
| Variante A — Mandant will Strafverfahren trennen | Zivilklage separat; Adhaesion entfaellt |
| Variante B — Strafgericht verweist Adhaesion | Nachfolge-Zivilklage; Bindungswirkung des Strafurteils |
| Variante C — Schadenshoehe unklar | Feststellungsklage zuerst; Leistungsklage nach Konkretisierung |
Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.
An das [Gericht]
Aktenzeichen: [...]
Adhäsionsantrag gemäß §§ 403 ff. StPO
In der Strafsache gegen [Name Angeklagte/r]
wegen [Tatvorwurf]
beantragt die Verletzte [Name] durch ihre anwaltliche Vertretung:
1. Die/den Angeklagte/n wird verurteilt, an die Verletzte
ein angemessenes Schmerzensgeld zu zahlen, dessen Höhe
in das Ermessen des Gerichts gestellt wird, jedoch den
Betrag von [z.B. 15.000 Euro] nicht unterschreiten sollte,
nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem
Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit dieses Antrags.
2. Es wird festgestellt, dass die/der Angeklagte verpflichtet
ist, der Verletzten alle weiteren materiellen und immateriellen
Schäden zu ersetzen, die aus der Tat vom [Datum] künftig noch
entstehen, soweit Ansprüche nicht auf Dritte oder Sozial-
versicherungsträger übergegangen sind.
Begründung:
Die Verletzte erlitt durch die Tat vom [Datum] folgende
Verletzungen: [konkret aufzählen]. Sie wurde [X Tage]
stationär behandelt und befand sich [X Wochen] in ambulanter
Therapie. Behandlungsunterlagen werden als Anlage 1 bis 3
beigefügt.
Das Schmerzensgeld ist nach den Grundsätzen der Ausgleichs-
und Genugtuungsfunktion (§ 253 Abs. 2 BGB) zu bemessen.
Vergleichbare Verletzungen werden in der Rechtsprechung mit
[Betragsbereich] bewertet (Slizyk, Beck'sche Schmerzensgeld-
tabelle, [aktuelle Auflage], Nr. [XX]).
[Ort, Datum]
[Unterschrift]
In der Hauptverhandlung am [Datum]
Aktenzeichen: [...]
schließen die Parteien folgenden Vergleich gemäß § 405 StPO:
1. Die/der Angeklagte zahlt an die Verletzte [Name]
zur Abgeltung sämtlicher Schmerzensgeld- und Schadens-
ersatzansprüche aus der Tat vom [Datum] einen Betrag
von [X Euro].
2. Zahlung erfolgt in monatlichen Raten von [X Euro]
erstmals zum [Datum]; Gesamtfälligkeit bei Zahlungs-
verzug mit einer Rate.
3. Mit Zahlung des Gesamtbetrags sind alle Ansprüche der
Verletzten aus der Tat vom [Datum] abgegolten.
4. Die Gerichtskosten des Adhäsionsverfahrens trägt
[je nach Vereinbarung].
Dieser Vergleich wird als Prozessvergleich nach § 794 Abs. 1
Nr. 1 ZPO protokolliert.
[Unterschriften beider Seiten und Gericht]
An das [Gericht]
Aktenzeichen: [...]
Antrag auf Absehen von der Entscheidung im Adhäsionsverfahren
gemäß § 406 Abs. 1 S. 3 StPO
In der Strafsache gegen [Name Angeklagte/r]
beantragt die Verteidigung,
von einer Entscheidung über den Adhäsionsantrag der Verletzten
abzusehen, da die Entscheidung eine dem Strafverfahren nicht
angemessene Beweisaufnahme erfordern würde und das Strafver-
fahren wesentlich verzögern würde (§ 406 Abs. 1 S. 5 StPO).
Begründung:
Zur Klärung der Schadenshöhe wäre ein medizinisches Sach-
verständigengutachten einzuholen. Der Adhäsionsantrag bezieht
sich auf Schäden in Höhe von [Betrag EUR]. Die Klärung der
Kausalität zwischen Tat und behaupteten Folgeschäden bedarf
einer umfangreichen medizinischen Beurteilung, die den Rahmen
des Strafprozesses sprengt.
[Ort, Datum]
[Unterschrift Verteidigung]
--- vor Versand klären ---
| Konstellation | Beweislast |
|---|---|
| Anspruchsgrundlage (§ 823 BGB) | Verletzte trägt Tatbegehung, Verletzung, Kausalität; im Adhäsionsverfahren erleichtert durch Bindungswirkung des Strafurteils zur Tat |
| Schadenshöhe (Schmerzensgeld) | Verletzte muss Mindestbetrag darlegen; Gericht schätzt nach § 287 ZPO (analog) |
| Forderungsübergang § 116 SGB X | Sozialleistungsträger zeigt Übergang an; Verletzte muss nur Eigenanteil nachweisen |
| Adhäsionsvergleich | Einigung trägt sich selbst; Vollstreckungstitel durch Protokollierung |
| Absehen wegen Verfahrensverzögerung | Gericht entscheidet von Amts wegen; Verteidigung kann Sachverhalt darlegen |
| Frist | Inhalt | Norm |
|---|---|---|
| Bis Schluss der Beweisaufnahme | Adhäsionsantrag muss vor Schlussvorträgen gestellt sein | § 404 StPO |
| Ab Urteilszustellung: 1 Woche | Berufung/Revision gegen Adhäsionsausspruch | § 406a StPO |
| Ab Urteilsrechtskraft | Vollstreckung aus Adhäsionsurteil beginnt | § 704, § 794 ZPO |
| 3 Jahre | Verjährung deliktsrechtlicher Ansprüche (§ 195 BGB) ab Kenntnis | § 199 BGB |
| 30 Jahre | Verjährung des titulierten Anspruchs nach § 197 BGB | § 197 BGB |
| Gegenargument | Erwiderung |
|---|---|
| "Adhäsionsantrag verzögert das Strafverfahren" | § 406 Abs. 1 S. 6 StPO — Absehen nur bei wesentlicher Verzögerung; Schmerzensgeld-Antrag wird durch S. 6 a. F. besonders geschützt; aktuelle Begründungsanforderungen siehe BGH 09.01.2025 — 3 StR 340/24 |
| "Forderungsübergang nach § 116 SGB X schließt Adhäsion aus" | Nur soweit Anspruch übergegangen ist; Eigenbeteiligung (Schmerzensgeld soweit nicht gedeckt) verbleibt bei der Verletzten |
| "Angeklagte/r ist insolvent; Adhäsion sinnlos" | § 302 InsO schließt Restschuldbefreiung bei vorsätzlichen unerlaubten Handlungen aus; Titel hat langfristigen Wert |
| Position | Berechnung |
|---|---|
| Adhäsionsantrag kostenfrei für Verletzte | § 472a StPO: keine Gerichtskosten für Verletzte im Adhäsionsverfahren |
| Anwaltsgebühren (Verletztenvertretung) | VV-RVG Nr. 4143 (Verfahrensgebühr), Nr. 4145 (Terminsgebühr), Nr. 4146 (Vergleichsgebühr); Streitwert = Adhäsionsforderung |
| Bei Beiordnung § 397a StPO | Adhäsionsgebühren zusätzlich zur Nebenklagegebühr aus Staatskasse |
| Angeklagter zahlt Kosten bei Adhäsionsverurteilung | Kosten des Adhäsionsverfahrens als Nebenfolge im Strafurteil |
| Angeklagter bei Vergleich § 405 StPO | Kostenregelung im Vergleich frei vereinbar |
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Schneller Vollstreckungstitel gewünscht | Adhäsionsantrag frühzeitig stellen; Vergleich nach § 405 StPO anstreben |
| Angeklagter will Strafmilderung | Schadenswiedergutmachung proaktiv anbieten; § 46a StGB nutzen; Vergleich vor Urteil |
| Hohe Schadensummen in Betrugsfall | Adhäsion kombinieren mit Verbleib im Strafverfahren für Bindungswirkung zur Tatbegehung |
| Angeklagter ist insolvent | Adhäsion trotzdem beantragen; § 302 InsO schließt Restschuldbefreiung aus; Titel 30 Jahre vollstreckbar |
| Gericht neigt zu § 406-Absehen | Beweise vorab vollständig vorlegen; Komplexität minimieren; Schmerzensgeld pauschal schätzen lassen |
| Schmerzensgeldzumessung im Strafurteil | Begründungsanforderungen nach BGH 09.01.2025 — 3 StR 340/24 beachten; Verletzungsbild, Dauer, Folgen erkennbar machen |
fachanwalt-strafrecht-nebenklage-opfervertretung – Nebenklage und Adhäsion kombiniert führenfachanwalt-strafrecht-insolvenzantrag-staatsanwaltschaft – Adhäsionsforderung in der Insolvenz des Angeklagtenplaedoyer-vorbereitung-strafverteidigung – Schadenswiedergutmachung als Strafmilderungsargumentfachanwalt-strafrecht-zeugenbeistand – Begleitung der Verletzten als Zeuginnpx claudepluginhub klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht --plugin fachanwalt-strafrechtGuides collaborative design exploration before implementation: explores context, asks clarifying questions, proposes approaches, and writes a design doc for user approval.
Creates structured, bite-sized implementation plans from specs or requirements before writing code. Useful for breaking down multi-step tasks into testable steps with file structure and task boundaries.
Synthesizes the current conversation into a structured spec (PRD) and publishes it to the project issue tracker with a ready-for-agent label, without interviewing the user.
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First indexed Jul 17, 2026