Arbeitsrecht einführend: typische Mandantenanliegen — Kündigung, Abfindung, Zeugnis, Befristung, Maßregelungsverbot, Diskriminierung AGG, Lohn, Urlaub, BR-Mitbestimmung
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: KSchG; BetrVG; TzBfG; EntgTranspG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fokus: Arbeitsrecht einführend: typische Mandantenanliegen — Kündigung, Abfindung, Zeugnis, Befristung, Maßregelungsverbot, Diskriminierung AGG, Lohn, Urlaub, BR-Mitbestimmung. Routing in Fachmodule. Erstgesprächs-Checkliste.
AR: Einführung — Typische Mandantenanliegen
Fachlicher Kern — Arbeitsrecht
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
AR: Einführung — Typische Mandantenanliegen und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind.
- Arbeitsmodus: Zuerst Status, Zugang, Frist, Beteiligungsrechte, Sonderkündigungsschutz, Beweislast und prozessualen nächsten Schritt sichern; dann erst Materiellrecht vertiefen.
- Outputpflicht: Fristenblatt, Zugangsmatrix, Beweisangebot, Mandantenmail, Betriebsrats-/Gegnerbrief oder Klage-/Erwiderungsbaustein.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Kaltstart — Erste Weichen
Wenn Unterlagen (Kündigung, Vertrag, Zeugnis, Bescheid) vorliegen, diese zuerst auswerten.
- Was ist das Kernproblem? (s. Anliegen-Klassifikation unten)
- Wie ist die Frist? Gibt es eine laufende 3-Wochen-Klagefrist (Paragraf 4 KSchG) oder AGG-Frist (Paragraf 15 Abs. 4 AGG: 2 Monate)?
- Wer ist der Mandant? Arbeitnehmer oder Arbeitgeber?
- Was ist das Ziel? Bestandsschutz, Abfindung, Schadensersatz, Verhaltensänderung, Dokumentation?
Anliegen-Klassifikation und Erstrouting
1. Kündigung
- Einschlägig: Paragrafen 1, 4, 7, 23 KSchG; Paragraf 623 BGB (Schriftform); Paragraf 102 BetrVG (BR-Anhörung)
- Kritische Frist: 3 Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung (Paragraf 4 KSchG) — Versäumnis = Paragraf 7 KSchG-Fiktion
- Sofortmaßnahme: Zugangsdatum sichern, Schriftform prüfen, KSchG-Anwendbarkeit prüfen (Paragraf 23 KSchG > 10 VZÄ, Paragraf 1 KSchG > 6 Monate), Betriebsratsprotokolle anfordern
- Routing: →
fachanwalt-arbeitsrecht-kuendigungsschutzklage
2. Abfindung
- Einschlägig: Paragrafen 9, 10 KSchG (Auflösungsantrag); Paragraf 1a KSchG (Klageverzicht); BAG-Faustformel 0,5 × Monatsgehalt × Beschäftigungsjahre
- Sperrzeit: Paragraf 159 SGB III bei Aufhebungsvertrag auf Arbeitnehmerinitiative
- Routing: →
ar-abfindungs-rechner-modular, fachanwalt-arbeitsrecht-aufhebungsvertrag-sperrzeit
3. Zeugnis
- Einschlägig: Paragraf 109 GewO (Anspruch auf qualifiziertes Zeugnis); Wohlwollenspflicht des Arbeitgebers (BAG-Linie); Zeugnisformulierungen (Codierungen)
- Ansprüche: Berichtigungs- oder Benotungsklage vor Arbeitsgericht; kurze Verjährungsfrist beachten
- Routing: Individuell nach Zeugnisinhalt; ggf.
workflow-redteam-qualitygate
4. Befristung
- Einschlägig: Paragrafen 14–22 TzBfG; Paragraf 17 TzBfG (3-Wochen-Entfristungsklage!); BAG zu sachgrundloser Befristung (Paragraf 14 Abs. 2 TzBfG: max. 2 Jahre, max. 3 Verlängerungen)
- Kritische Frist: 3 Wochen nach vereinbartem Ende (Paragraf 17 TzBfG) für Entfristungsklage
- Routing: →
fachanwalt-arbeitsrecht-befristung-tzbfg
5. Maßregelungsverbot Paragraf 612a BGB
- Einschlägig: Paragraf 612a BGB; Beweislastverteilung; enger Zusammenhang zwischen rechtmäßiger Ausübung von Rechten und Benachteiligung
- Typische Fälle: Kündigung nach Klage auf Mindestlohn, Kündigung nach Betriebsratsgründungsversuch, Kündigung nach Krankmeldung
- Routing: Sachverhaltsabhängig; ggf. kombiniert mit
fachanwalt-arbeitsrecht-kuendigungsschutzklage
6. Diskriminierung AGG
- Einschlägig: Paragrafen 1–22 AGG; Paragraf 22 AGG (Beweislastumkehr bei Indizien); Paragraf 15 AGG (Schadensersatz, Entschädigung)
- Kritische Frist: Paragraf 15 Abs. 4 AGG: 2 Monate ab Kenntnis der Benachteiligung (Ausschlussfrist!)
- Merkmale: Rasse, Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter, sexuelle Identität
- Routing: Sachverhaltsabhängig; ggf.
spezial-entgtranspg-verhandlung-vergleich-und-eskalation bei Entgeltdiskriminierung
7. Lohn / Vergütung
- Einschlägig: Paragrafen 611a, 614, 615 BGB; MiLoG (Mindestlohn, aktuellen Satz live prüfen); Annahmeverzug Paragraf 615 BGB; Ausschlussfristen im Arbeitsvertrag prüfen
- Typische Streitpunkte: Nicht bezahlte Überstunden (Nachweis!), Provision, Boni, variable Vergütung, Mindestlohn-Unterschreitung
- Routing: Sachverhaltsabhängig; bei Tarifbindung → Tarifvertrag live prüfen
8. Urlaub
- Einschlägig: Paragrafen 1–13 BUrlG; Paragraf 7 BUrlG (Übertragung, Verfall); BAG: kein Verfall ohne Hinweis des Arbeitgebers (EuGH-Konformität); Urlaubsabgeltung Paragraf 7 Abs. 4 BUrlG; BAG 9 AZR 104/24: kein Urlaubsverzicht durch Prozessvergleich
- Routing: →
spezial-urlaub-livequellen-und-rechtsprechungscheck
9. Betriebsrat und Mitbestimmung
- Einschlägig: BetrVG Paragrafen 87 (echtes Mitbestimmungsrecht), 99 (personelle Einzelmaßnahmen), 102 (Anhörung Kündigung), 111 ff. (Betriebsänderung, Interessenausgleich, Sozialplan)
- Typische Mandate: BR-Beschlüsse anfechten, Zustimmungsverweigerung bei Einstellung, Einigungsstelle, Unterlassungsanspruch
- Routing: →
fachanwalt-arbeitsrecht-betriebsratsanhoerung, fachanwalt-arbeitsrecht-betriebsratsbeschluss-heilung
Erstgesprächs-Checkliste
Fristenüberblick (kritisch)
| Frist | Norm | Konsequenz bei Versäumnis |
|---|
| 3 Wochen Kündigungsschutzklage | Paragraf 4 KSchG | Paragraf 7 KSchG-Fiktion: Kündigung gilt als wirksam |
| 3 Wochen Entfristungsklage | Paragraf 17 TzBfG | Befristung gilt als wirksam |
| 2 Monate AGG-Geltendmachung | Paragraf 15 Abs. 4 AGG | Anspruchsverlust |
| Ausschlussfristen Vertrag/TV | Je nach Klausel | Anspruchsverlust |
| 2 Wochen außerordentliche Kündigung | Paragraf 626 Abs. 2 BGB | Fristablauf für Arbeitgeber |
Anschluss-Skills
Alle Fachmodule des Plugins stehen für die jeweiligen Themen bereit. Nach Klassifikation direkt in den passenden Skill wechseln und dort die fachliche Tiefe aktivieren.
Was dieser Arbeitsgang nicht macht
- Keine Tiefenprüfung; dieser Skill ist der Eingangsrouter, nicht die Fachbearbeitung.
- Keine Festlegung des Mandanten ohne ausdrückliche Entscheidung.