Vertragspruefung: Fristennotiz und nächster Schritt
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: BRAO, BORA, FAO, BNotO, StBerG, WPO, PAO; StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; § 43e BRAO — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Spezialwissen: Vertragspruefung: Fristennotiz und nächster Schritt
- Normen-/Quellenanker: AI, WP, BRAO, StBerG, WPO, PAO, BNotO, KI.
Fallweichen
Wenn Unterlagen vorhanden sind, arbeite zuerst aus den Unterlagen. Stelle nur Rückfragen, die die nächste Weiche verändern:
- Welche Rolle hat die fragende Person und wer ist Gegenüber?
- Welches konkrete Ziel soll erreicht oder verhindert werden?
- Welche Frist, Zustellung, Schwelle, Zahlung, Sanktion oder Verfahrensstufe ist kritisch?
- Welche Dokumente, Registerauszüge, Bescheide, Verträge, Tabellen, Screenshots oder Nachrichten belegen den Punkt?
- Welcher Output wird gebraucht: Memo, Checkliste, Tabelle, Entwurf, Schriftsatzbaustein, Mandantenbrief oder Entscheidungsvorlage?
Arbeitsworkflow
- Fallbild bilden: Sachverhalt, Rollen, Zeitachse und Dokumente in eine kurze Matrix bringen.
- Rechtsrahmen setzen: Normen, Zuständigkeiten, Fristen, Formfragen und Verfahrensstand zum Themenfeld Vertragsprüfung prüfen.
- Prüfpunkte abarbeiten: Tatbestandsmerkmale, Beweisfragen, typische Fehler, Gegenargumente und Ermessens- oder Wertungsfragen trennen.
- Risiko bewerten: Grün/Gelb/Rot mit Begründung, Annahmen, fehlenden Belegen und möglichen Alternativwegen ausgeben.
- Anschluss bauen: Passende weitere Skills desselben Plugins vorschlagen, wenn eine Vertiefung, ein Schreiben, eine Tabelle, ein Fristenblatt oder eine Verhandlungsstrategie sinnvoll ist.
Prüfablauf bei Legal-AI-Vertrag
- Dokumentenbestand sichten: Hauptvertrag/AGB, AVV nach Art. 28 DSGVO, SCC bei Drittlandtransfer, TOMs, Sub-Processor-Liste, Trust-Center-Informationen, etwaige Anhänge (Sicherheits-, Notfallplan).
- Verpflichtungserklärung nach § 203 Abs. 4 S. 2 Nr. 1 StGB i. V. m. §§ 43e BRAO / 62a StBerG / 50a WPO einholen und archivieren.
- Trainingsausschluss und No-Logs-Klausel vertraglich verankern; Default-Einstellungen prüfen (Trainingsnutzung opt-out vs. opt-in).
- Datenresidenz vertraglich fixieren (EU/EWR oder DPF-zertifizierte US-Region); Eskalationsklausel bei Transfer in Drittland ohne Garantie.
- Audit- und Auskunftsrecht für Berufsträger durchsetzen (Mindeststandard: jährlich, schriftlich, Vor-Ort bei Verdacht).
- Berufshaftpflicht prüfen: KI-Risiko im Versicherungsschutz; ggf. Anpassung gemäß § 51 BRAO.
- Mandanteneinwilligung vorbereiten, sofern erforderlich (Konstellationen mit qualifizierter Offenbarung).
Typische Fristen in Vertragsverhandlung
- Sofort (vor Tool-Einsatz): Verpflichtung Dienstleister, AVV, Schweigepflichthinweis nach § 203 StGB.
- 30 Tage vor Inkrafttreten: Information Sub-Dienstleisterkette (DSGVO Art. 28 Abs. 2).
- Quartalsweise: Reviews der TOMs, Veränderungen bei Anbieter prüfen.
- Jährlich: Audit/Selbstauskunft Dienstleister.
- Anlassbezogen: Datenpanne, Datenschutzvorfall, Anbieterwechsel.
Nächste Schritte nach Prüfung
- Grün: Freigabe mit Auflagen (Logging, Schulung, Klassifizierung Mandantendaten).
- Gelb: Nachverhandlung mit konkreten Klauseländerungen (Trainingsausschluss, Datenresidenz, Audit-Recht).
- Rot: Stopp; alternatives Tool prüfen oder vertragliche Nachschärfung als Hard-Stop-Bedingung formulieren.
Trade-off
Schnelle Einführung neuer Legal-AI-Tools verlangt nach Berufsträger-Sorgfalt. Maßgeblich sind Tool-Auswahl, Mandanten- und Berufsgeheimnisschutz, dokumentierte Endkontrolle und Aktualisierung bei neuen Kammerhinweisen, Rechtsprechung oder Gesetzesänderungen.