MaRisk Compliance
Mindestanforderungen an das Risikomanagement — regulatorischer Rahmen für deutsche Banken und Finanzdienstleistungsinstitute.
When to Activate
- Implementierung oder Überprüfung der MaRisk-Konformität
- Aufbau des Risikomanagement-Frameworks nach MaRisk
- Risikotragfähigkeitskonzept erstellen oder überarbeiten
- Prüfung der Geschäftsorganisation nach AT-Modulen
- Kredit- oder Handelsgeschäft nach BTO-Anforderungen gestalten
- Outsourcing-Bewertung nach AT 9
- Neue-Produkte-Prozess (NPP) einführen
- Vorbereitung auf BaFin-Prüfung oder interne Revision
Core Concepts
MaRisk-Struktur
Die MaRisk (Rundschreiben der BaFin) konkretisieren § 25a KWG und gliedern sich in:
AT — Allgemeiner Teil:
- AT 1: Vorbemerkung, Anwendungsbereich
- AT 2: Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung
- AT 3: Allgemeine Anforderungen an das Risikomanagement
- AT 4: Allgemeine Anforderungen an die Geschäftsorganisation
- AT 5: Organisationsrichtlinien
- AT 6: Dokumentation
- AT 7: Ressourcen (Personal, technisch-organisatorisch)
- AT 8: Anpassungsprozesse (neue regulatorische Anforderungen, Geschäftsaktivitäten)
- AT 9: Auslagerung (Outsourcing)
BT — Besonderer Teil:
- BTO: Besondere Anforderungen an die Aufbau- und Ablauforganisation
- BTO 1: Kreditgeschäft
- BTO 2: Handelsgeschäft
- BTR: Besondere Anforderungen an das Risikomanagement
- BTR 1: Adressenausfallrisiken
- BTR 2: Marktpreisrisiken
- BTR 3: Liquiditätsrisiken
- BTR 4: Operationelle Risiken
Risikotragfähigkeit (AT 4.1)
Konzept: Das Institut muss sicherstellen, dass die wesentlichen Risiken durch das Risikodeckungspotenzial laufend abgedeckt sind.
Zwei Perspektiven (nach ICAAP-Leitfaden der BaFin):
Normative Perspektive:
- Sicherstellung der regulatorischen Kapitalanforderungen über einen Planungshorizont von mindestens 3 Jahren
- Kapitalplanung unter Basisszenario und adversem Szenario
- Berücksichtigung aller regulatorischen Quoten (CET1, Tier 1, Gesamtkapital, Leverage Ratio)
Ökonomische Perspektive:
- Barwertiger/ökonomischer Ansatz zur Risikoquantifizierung
- Risikodeckungspotenzial: ökonomischer Substanzwert
- Risikoquantifizierung: VaR oder vergleichbare Maße auf hohem Konfidenzniveau (typisch 99,9%)
- Aggregation der wesentlichen Risiken unter Berücksichtigung von Diversifikation
Wesentliche Risikoarten:
- Adressenausfallrisiko (Kredit, Kontrahent, Beteiligung)
- Marktpreisrisiko (Zins, Aktien, Währung, Spread)
- Liquiditätsrisiko (Zahlungsunfähigkeit, Refinanzierung)
- Operationelles Risiko (IT, Prozesse, Personal, Recht)
- Weitere: Konzentrationsrisiken, Geschäftsrisiko, Reputationsrisiko
Risikosteuerung und -überwachung (AT 4.3)
- Limitsystem für alle wesentlichen Risiken
- Risikoreporting an Geschäftsleitung (mindestens vierteljährlich, bei Bedarf ad hoc)
- Eskalationsverfahren bei Limitüberschreitungen
- Stresstesting: Regelmäßige Stresstests, inverse Stresstests, Szenarioanalysen
- Risikofrüherkennungssystem
Kreditgeschäft (BTO 1)
Aufbauorganisation:
- Funktionstrennung: Markt (Vertrieb) und Marktfolge (Risikobeurteilung) bis zur Kompetenzgrenze getrennt
- Votierung: Markt- und Marktfolgevotum erforderlich (Zwei-Voten-Prinzip)
- Kompetenzordnung: Klare Regelung der Entscheidungsbefugnisse
Ablauforganisation:
- Kreditgewährung: Kreditantrag, Bonitätsbeurteilung, Sicherheitenbewertung, Kreditentscheidung, Vertragserstellung
- Kreditweiterbearbeitung: Laufende Überwachung, Konditionsanpassung
- Kreditbearbeitungskontrolle: Regelmäßige Überprüfung der Einhaltung von Kreditrichtlinien
- Intensivbetreuung und Problemkreditbearbeitung: Frühwarnsystem, Sanierung, Abwicklung
Handelsgeschäft (BTO 2)
- Funktionstrennung: Handel (Front Office), Abwicklung/Kontrolle (Back Office), Risikocontrolling
- Tägliche Ergebnisermittlung und -zuordnung
- Limitsystem mit täglicher Überwachung
- Neue-Produkte-Prozess für neue Handelsaktivitäten
Outsourcing (AT 9)
Wesentliche Auslagerung: Aktivitäten, die so bedeutsam sind, dass ein Ausfall die Finanzlage, die Geschäftsstrategie oder die Einhaltung regulatorischer Anforderungen wesentlich beeinträchtigen würde.
Anforderungen bei wesentlicher Auslagerung:
- Risikoanalyse vor der Auslagerung
- Auslagerungsvertrag mit definierten Mindestinhalten (Leistungsbeschreibung, SLAs, Kündigungsrechte, Prüfungsrechte)
- Auslagerungsbeauftragter im Institut
- Laufende Überwachung des Dienstleisters
- Notfallkonzept und Exit-Strategie
- Anzeige an BaFin bei wesentlicher Auslagerung
- Auslagerungsregister führen
Neue-Produkte-Prozess (AT 8.1)
Vor Aufnahme neuer Produkte oder Märkte:
- Strukturierte Analyse der Risiken
- Beurteilung der Auswirkungen auf Gesamtrisikoprofil
- Prüfung der Abbildung in Risikosteuerung und -controlling
- Sicherstellung adäquater Ressourcen (IT, Personal, Know-how)
- Freigabe durch Geschäftsleitung
Compliance-Funktion (AT 4.4.2)
- Eigenständige Compliance-Funktion erforderlich
- Identifikation wesentlicher rechtlicher Regelungen und Vorgaben
- Überwachung der Einhaltung
- Beratung der Geschäftsleitung
- Regelmäßige Berichterstattung an Geschäftsleitung
- Proportionalitätsprinzip bei Ausgestaltung
Interne Revision (AT 4.4.3)
- Eigenständige, von operativen Bereichen unabhängige Funktion
- Risikobasierter Prüfungsplan (alle Aktivitäten innerhalb angemessener Frist)
- Prüfung der Wirksamkeit und Angemessenheit des Risikomanagements
- Prüfung der Einhaltung interner und externer Vorgaben
- Direktes Berichtsrecht an Geschäftsleitung
- Follow-up der Feststellungen
Methodology
MaRisk-Implementierung
- Gap-Analyse: Ist-Zustand gegen MaRisk-Anforderungen abgleichen
- Risikoinventur: Wesentliche Risiken identifizieren und bewerten
- Risikotragfähigkeit: Deckungspotenzial bestimmen, Risiken quantifizieren, Limite setzen
- Aufbauorganisation: Funktionstrennung, Drei-Linien-Modell, Compliance, Revision einrichten
- Prozesse: Kredit- und Handelsprozesse nach BTO gestalten
- Dokumentation: Organisationsrichtlinien, Handbücher, Arbeitsanweisungen
- IT-Systeme: Datenqualität, Berechtigungen, Notfallkonzepte
- Outsourcing: Auslagerungsregister, Risikoanalysen, Verträge prüfen
- Reporting: Risikoberichte, Stresstests, Eskalationsverfahren
- Validierung: Interne Revision prüft Umsetzung
Risikoberichterstattung aufbauen
- Vierteljährlicher Gesamtrisikobericht an Geschäftsleitung
- Monatliche Risikoberichte je Risikoart
- Ad-hoc-Berichte bei wesentlichen Entwicklungen
- Inhalt: Risikolage, Limitauslastung, Stressergebnisse, Maßnahmen
Templates
MaRisk-Compliance-Checkliste
Modul Anforderung Status Verantwortlich Maßnahme
AT 2 Gesamtverantwortung GL dokumentiert [ ] ____________ ____________
AT 3 Risikotragfähigkeit normativ [ ] ____________ ____________
AT 3 Risikotragfähigkeit ökonomisch [ ] ____________ ____________
AT 4.1 Risikostrategie konsistent [ ] ____________ ____________
AT 4.3 Limitsystem implementiert [ ] ____________ ____________
AT 4.3 Stresstesting durchgeführt [ ] ____________ ____________
AT 4.4.2 Compliance-Funktion eingerichtet [ ] ____________ ____________
AT 4.4.3 Revision unabhängig aufgestellt [ ] ____________ ____________
AT 7 Notfallkonzept vorhanden [ ] ____________ ____________
AT 9 Auslagerungsregister aktuell [ ] ____________ ____________
BTO 1 Funktionstrennung Markt/Marktfolge [ ] ____________ ____________
BTO 2 Handel/Abwicklung getrennt [ ] ____________ ____________
BTR 1-4 Risikosteuerung je Risikoart [ ] ____________ ____________
Auslagerungsbewertung
Dienstleister: _______________ Aktivität: _______________
Wesentlichkeit:
[ ] Wesentliche Auslagerung [ ] Sonstige Auslagerung
Risikoanalyse:
Ausfallrisiko: [ ] Niedrig [ ] Mittel [ ] Hoch
Konzentrationsrisiko: [ ] Niedrig [ ] Mittel [ ] Hoch
Datenschutzrisiko: [ ] Niedrig [ ] Mittel [ ] Hoch
Reputationsrisiko: [ ] Niedrig [ ] Mittel [ ] Hoch
Vertragliche Absicherung:
[ ] SLAs definiert [ ] Prüfungsrechte (Institut + BaFin)
[ ] Kündigungsrechte [ ] Datenschutzklauseln
[ ] Notfallregelungen [ ] Weiterverlagerung geregelt
Exit-Strategie: _______________
Anzeige an BaFin: [ ] Erfolgt [ ] Nicht erforderlich
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