Aufgabenstellung erfassen
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: Hausarbeitsfrist i.d.R. 4-6 Wochen, kein Abgabeaufschub, JAG-Wiederholung pro Klausur, Promotionsverfahren landesrechtlich.
- Tragende Normen verifizieren: JAG/JAPO Land (Pflicht-Hausarbeit), HRG, Studien-/Prüfungsordnung, GG Art. 5 Abs. 3, UrhG §§ 51, 51a (Zitatrecht), Promotionsordnung — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Studenten, Korrektor (Lehrstuhl/Justizprüfungsamt), Bibliothek, juris/Beck-Online (Recherche), Plagiats-Software.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Gutachten-Hausarbeit, Sachverhalt, Lösungsskizze, Literaturverzeichnis, Plagiatsbericht, Korrekturanmerkungen, Notenbescheid — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Triage zu Beginn
- Hausarbeit oder Seminararbeit — und von welchem Lehrstuhl/Fachgebiet?
- Welches Rechtsgebiet ist nach erster Lektuere des Sachverhalts erkennbar?
- Gibt es im Bearbeitungsvermerk explizite Einschraenkungen ("Verjährung ist nicht zu prüfen")?
- Wie viel Zeit bleibt bis zur Abgabe?
Aktuelle Rechtsprechung und Methodik
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Zentrale Normen
- §§ 133, 157 BGB — Auslegung von Willenserklärungen und Vertraegen: Maßstab für Sachverhaltswuerdigung
- § 195 BGB — Regelverjaehrung 3 Jahre: Zeitstrahl-Relevanz bei Klage/Mahnung/Verjährungsbeginn
- § 199 BGB — Verjährungsbeginn: Kenntnis und grob fahrlässige Unkenntnis
- § 204 BGB — Hemmung der Verjährung durch Rechtsverfolgung
Bevor Du anfängst
Lege bereit:
- den vollständigen Sachverhalt (Aufgabentext)
- den Bearbeitungs-Vermerk (am Ende des Sachverhalts)
- einen leeren Notizbogen für Deine Skizze
- ggf. Hinweise der Lehrkraft, in welchem Semester und Modul die Aufgabe steht
Schritt 1 — Drei-Lese-Methode
Erste Lesung: Überblick
Lies den Sachverhalt ohne Notizen durch. Lass die Geschichte wirken. Frage Dich am Ende:
- Was ist hier eigentlich los?
- Wer sind die handelnden Personen?
- Welches Rechtsgebiet ist offensichtlich? (BGB-Schuldrecht? StGB-Körperverletzung? Verwaltungsbescheid?)
Zweite Lesung: Detail
Lies langsam und unterstreiche / markiere:
- Personen / Beteiligte (vergib Kennbuchstaben — A, B, C, K für Kläger, B für Beklagter, T für Täter, O für Opfer)
- Daten (jedes Datum, das im Sachverhalt erwähnt wird)
- Orte (zur Bestimmung der örtlichen Zuständigkeit)
- Beträge (zur Bestimmung von Streitwert / Schaden)
- Verträge / Rechtsgeschäfte (was wurde wann geschlossen?)
Dritte Lesung: Skizze
Zeichne ein Beziehungs-Diagramm:
- Wer steht in welcher Beziehung zu wem?
- Welche Verträge zwischen welchen Personen?
- Wer hat wem was geschuldet / geleistet / verweigert?
- Welche Personen haben sich wann wo getroffen?
Schritt 2 — Wesentliche und unwesentliche Tatsachen
Wesentlich
- Erklärungen, Vereinbarungen, Handlungen, die rechtliche Folgen haben
- Daten von Erklärungen (Vertragsabschluss, Mahnung, Kündigung, Tatzeit)
- Beträge, die rechtlich relevant sind
- Identifizierbare Personen mit Rollen
Unwesentlich (häufig)
- Beschreibende Adjektive (sympathisch, ärgerlich) ohne rechtlichen Anker
- Hintergrund-Geschichte (Was die Person im Beruf macht), außer es ist relevant
- Wetterangaben, außer bei Verkehrsdelikt
- Daten ohne rechtlichen Bezug
Hilfsfrage
"Wenn ich diese Tatsache weglasse — ändert sich dann das rechtliche Ergebnis?"
Wenn nein: vermutlich unwesentlich.
Wenn ja oder eventuell: wesentlich.
Schritt 3 — Bearbeitungsvermerk verstehen
Der Bearbeitungs-Vermerk steht typisch am Ende des Sachverhalts. Lies ihn besonders sorgfältig:
Standard-Formulierungen
- "Beurteilen Sie die Rechtslage": vollständiges Gutachten, alle Ansprüche prüfen
- "Prüfen Sie die Ansprüche des A gegen B": nur diese Richtung, nicht umgekehrt
- "Bestehen Schadensersatz-Ansprüche?": nur Schadensersatz, nicht Erfüllung etc.
- "Wie ist die Rechtslage in einem Schriftsatz an das Gericht zu vertreten?": parteiischer Standpunkt
- "Hilfsweise / Hilfsgutachten": Wenn der Haupt-Ergebnis-Pfad zu einem bestimmten Ergebnis kommt, ist hilfsweise auch das andere Ergebnis zu prüfen
Frage-Vermerke
- "§ XYZ ist nicht zu prüfen": aussparen
- "Die örtliche Zuständigkeit ist nicht zu prüfen": nicht subsumieren
- "Gehen Sie davon aus, dass...": als feststehend annehmen
Schritt 4 — Zeitstrahl erstellen
Bei Sachverhalten mit mehreren Zeit-Punkten:
T-30 Tage: Vertragsschluss A-B
T-20 Tage: Lieferung
T-15 Tage: Mängelanzeige A
T-10 Tage: Nacherfüllungs-Frist
T-7 Tage: Rücktrittserklärung A
T-0: Klage
Wozu? Bei Schuldrechts-Sachverhalten (Verzug, Verjährung, Fristen) hilft der Zeitstrahl enorm.
Schritt 5 — Skizziere die rechtlichen Fragen
Nicht subsumieren, sondern identifizieren:
- Welche Anspruchs-Konstellationen gibt es?
- Welche Tatbestände kommen in Frage?
- Welche Mehrheits-Meinungen sind hier zu erwarten?
- Welche Methoden-Probleme (Auslegung, Analogie)?
Schritt 6 — Vor-Recherche
Bevor Du anfängst zu schreiben:
- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
- Welche aktuellen Aufsätze in NJW, JuS, JA, JURA?
Hilfsfragen für Deine eigene Reflexion
- Habe ich den Sachverhalt dreimal gelesen?
- Habe ich eine Skizze der Beteiligten?
- Habe ich den Bearbeitungs-Vermerk wortgenau verstanden?
- Habe ich einen Zeitstrahl (bei zeitkritischen Sachverhalten)?
- Habe ich die rechtlichen Fragen identifiziert (nicht gelöst)?
- Habe ich eine Vor-Recherche durchgeführt?
Häufige Anfänger-Fehler
- Sofort subsumieren ohne Sachverhalt zu verstehen — führt zu falschen Anspruchs-Grundlagen
- Bearbeitungs-Vermerk übersehen — Stoff falsch abgegrenzt
- Personen-Buchstaben verwechseln — Verwirrung beim Schreiben
- Datum übersehen — Verjährungs-, Verzugs-, Fristen-Fragen falsch
- "Hilfsweise"-Hinweis übersehen — wesentlicher Teil der Aufgabe nicht geprüft
Übergang zu
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fachgebiet-routing-zivil-oeffentlich-straf — Welches Fachgebiet?
bearbeitungsplan-erstellen — Zeitplan und Stoff-Aufteilung