Anwalt hat Sozialrechts-Verwaltungs- oder Gerichtsakte erhalten und muss diese systematisch für Widerspruch oder Klage auswerten
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: nur die Fristen des konkreten Rechtsgebiets und der Akte verwenden; Widerspruch, Klage, Einspruch, Rechtsmittel, Verjährung, Verwirkung, Rüge-, Anzeige-, Anmelde- und Ausschlussfristen strikt trennen und nie aus einem anderen Fachgebiet übernehmen.
- Tragende Normen verifizieren: Nur das im Skill betroffene Sozialgesetzbuch und die konkrete Verfahrensnorm heranziehen. Widerspruchsfrist nach Paragraf 84 SGG, Klagefrist nach Paragraf 87 SGG und einstweiliger Rechtsschutz nach Paragraf 86b SGG strikt trennen; Rechtsweg, Statthaftigkeit, aufschiebende Wirkung und Rechtsmittel gesondert prüfen.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail).
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Fokus: Anwalt hat Sozialrechts-Verwaltungs- oder Gerichtsakte erhalten und muss diese systematisch für Widerspruch oder Klage auswerten. § 25 SGB X § 120 SGG. Prüfraster: chronologische Sichtung Identifikation entscheidungserheblicher Aktenstuecke Widersprueche zwischen Aktenteilen Beweislage. Output: Aktenchronik Aktenliste mit Bewertung pro Eintrag (entscheidend/hilfreich/neutral/belastend) und Prüfkatalog für Folgeschriftsatz. Abgrenzung zu akteneinsicht-anfordern (Antrag) und bescheidanalyse (Bescheid-Fokus).
Akteneinsicht auswerten
Fachlicher Kern — Sozialrecht und Sozialversicherungsrecht
- Problemfokus dieses Skills: Bleibe beim konkreten Titel
Akteneinsicht auswerten und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind.
- Arbeitsmodus: Immer Verwaltungsakt, Frist, Widerspruch/Klage/eA, Amtsermittlung, medizinische Tatsachen, Mitwirkungspflichten und Beweisgutachten trennen; bei Status § 7 SGB IV: tatsächliche Eingliederung, Weisung, Rechtsmacht und Unternehmerrisiko abgleichen.
- Outputpflicht: Bescheidanalyse in einfacher Sprache, Widerspruch, eA-Antrag, Statusmatrix, medizinische Beweisfragen, Belegliste, Fristenplan oder SG-Schriftsatz.
- Fehlerbremse: Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen.
Fachkern: Akteneinsicht auswerten
- Spezialfrage (Akteneinsicht auswerten): chronologische Sichtung Identifikation entscheidungserheblicher Aktenstuecke Widersprueche zwischen Aktenteilen Beweislage. Output: Aktenchronik Aktenliste mit Bewertung pro Eintrag (entscheidend/hilfreich/neutral/belastend) und Prüfkatalog für Folgeschriftsatz. Abgrenzung zu akteneinsicht-anfordern (Antrag) und bescheidanalyse (Bescheid-Fokus).
- Arbeitsweise: Erst Sachverhalt, Norm, Frist, Zuständigkeit und Beweis klären; Rechtsprechung nur verifiziert als tragenden Beleg einsetzen.
Aktuelle Rechtsprechung
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
Eingabe
- Vollständige Verwaltungsakte (PDF; ggf. gescannt mit OCR).
- Bisheriges Analyseprotokoll aus
bescheidanalyse.
Ablauf
1. Inventarisierung
Jeder Aktenteil mit:
- laufender Nummer
- Datum
- Verfasser / Quelle
- Typ (Antrag / Bescheid / Gutachten / Vermerk / Stellungnahme / Schreiben Dritter / Beleg)
- Seitenanzahl
- Prüfer-Flag falls schlecht lesbar oder geschwaerzt
2. Chronologische Aktenchronik
Tabelle nach Datum sortiert mit Kurzinhalt — eine Zeile pro Aktenteil.
3. Inhaltsbewertung pro Aktenteil
Pro Aktenteil eine Klassifizierung:
- entscheidend — trägt das Ergebnis (entweder für oder gegen den Mandanten)
- hilfreich — stuetzt unsere Argumentation
- neutral — Sachverhaltsdokumentation ohne Wertung
- belastend — stuetzt die Behördenentscheidung
- lücke — verweist auf Vorgang der nicht in der Akte ist
4. Widerspruchsprüfung
- Bescheid vs Aktenstand — sagt der Bescheid Dinge die in der Akte anders stehen?
- Verfahrensvermerke — wurde die Anhörung geführt aktenkundig?
- Medizinische Gutachten — sind sie schlüssig nachvollziehbar? Wurden Befunde aus Arztbriefen überhaupt zur Kenntnis genommen?
- Ermittlungsumfang — hat die Behörde alles erhoben was sie hätte erheben müssen (§ 20 SGB X)?
- Datenherkunft — woher hat die Behörde Drittauskuenfte und durfte sie diese erheben?
5. Folge-Prüfkatalog
Für den nächsten Schriftsatz:
- Welche Aktenstücke zitieren wir mit Pinpoint (Seite Absatz)?
- Welche Aktenstücke widerlegen die Bescheidbegründung?
- Wo brauchen wir eine Stellungnahme des Mandanten?
- Wo brauchen wir ein eigenes Privatgutachten zur Untermauerung?
- Welche Beweisanträge könnten wir im Klageverfahren stellen?
Ausgabe
aktenchronik-<mandat>.md mit Chronik und Bewertung.
aktenpruefliste-<mandat>.md mit Prüfer-Flags zur Klärung mit Mandant.
- Vorlage
schriftsatzbausteine-<mandat>.md mit zitierfähigen Pinpoint-Verweisen aus der Akte für den Folgeschriftsatz.
Ausformulierungspflicht und Formatstandard. Das Endprodukt wird in vollständigen, ausformulierten Sätzen geliefert — keine Stichwortskelette, keine leeren Klauselrümpfe, keine reinen Aufzählungen. Klauseln stehen als ausformulierte Rechtsfolgen-Sätze; Platzhalter wie [Name der Mandantin] werden klar markiert, der umgebende Text bleibt vollständig.
Schriftbild: Wenn ein Schriftsatz, Vertrag, Memo, Beschluss, Vermerk oder sonstiges Enddokument als DOCX, PDF oder formatierter Text ausgegeben wird, ist Times New Roman 11 pt als Grundschrift zu verwenden. Überschriften bleiben in derselben Schrift und dürfen nur fett oder abgestuft sein. Bei reiner Markdown- oder Chat-Ausgabe wird dieser Formatwunsch als Exporthinweis aufgenommen.
Nummerierung: Gliederung ausschließlich dezimal (1, 1.1, 1.1.1 und so weiter). Keine römischen Ziffern, keine Buchstaben- oder Mischgliederung.
Hinweis zur Vertraulichkeit
Verwaltungs- und Sozialakten enthalten besonders sensible Daten (Gesundheit Sozialleistungen Vermögen). Verarbeitung nur in Tools mit AVV. Mandantenakte unter ~/.claude/plugins/config/claude-fuer-deutsches-recht/sozialrecht-kanzlei/mandate/<az>/ ablegen.